China stellt die Weichen für die nächsten fünf Jahre

Von Walter Feil

Am Mittwoch, den 18. Oktober 2017, begann in Peking in der großen „Halle des Volkes“ der 19. Parteikongress der kommunistischen Partei Chinas. Bei diesem alle fünf Jahre stattfindende politische Mammut-Event mit 2.300 Delegierten werden in sieben Kongresstagen die politischen und wirtschaftlichen Weichen für die nächsten fünf Jahre gestellt.

Deutlicher Machtzuwachs von Xi Jinping

Beobachter erwarten, dass vor allem eine Entwicklung an Fahrt zunehmen wird: Xi Jinping, Partei- und Staats-Chef in einer Person, wird seine Machtposition deutlich ausbauen. Xi hat nach fünf Jahren im Amt das Land auf sich und die Partei ausgerichtet. Xi dirigiert, und das Milliardenreich gehorcht.

Bedeutende Schritte auf diesem Weg waren die gleich nach Amtsantritt von Xi begonnene Anti-Korruptionskampagne. Dies hat sicherlich dazu beigetragen, die Korruption im Land zurückzudrängen, hat jedoch auch den einen oder anderen Widersacher Xi’s entmachtet. Schlüsselfunktionen einschließlich der Außenpolitik liegen mittlerweile bei einer Führungsgruppe unter Xi’s Leitung. So gibt es derzeit niemanden mehr im Riesenreich, der sich Xi in den Weg stellen könnte.

Anspruch auf eine Führungsrolle in der Weltpolitik

Gemäß der Vision des Parteichefs soll China seinen Einfluss in der Weltpolitik vergrößern und eine deutlich wichtigere Rolle spielen. Der Rückzug der USA aus internationalen Abkommen spielt China dabei positiv in die Karten. Xi wird vermutlich jedes neu entstehende Vakuum nutzen, um die Position Chinas zu stärken.

Wirtschaftliche Großprojekte unterstreichen den Anspruch auf Führung

Im Mai 2017 lud China die politische Elite der Welt ein. Neben Wladimir Putin aus Russland und Brigitte Zypries aus Deutschland sandten hundert weitere Länder Delegationen zur großen Feier: China stellte ein gigantisches Großprojekt vor, das auf Sicht Investitionen von 900 Milliarden USD erfordert und damit das größte Entwicklungsprogramm seit dem Marshallplan darstellt. Die „Neue Seidenstraße“ soll entlang der alten Handelsroute zu Lande und zur See zahlreiche Staaten, die von der historischen „Seidenstraße“ berührt wurden, miteinander verbinden. Zu diesem gigantischen Projekt zählen mehrere Seehäfen, Flughäfen, natürlich Fernstraßen und eine Trans-Eurasien-Bahnstrecke, die Peking und weitere Megastädte in China mit Duisburg verbindet.

Wachstumstempo wird geringer –  bleibt jedoch führend

Das wirtschaftliche Wachstum wird künftig in etwas geringerem Tempo zulegen als im letzten Jahrzehnt. Eine Volkswirtschaft in einem Entwicklungsstadium wie das heutige China kann nicht mehr mit acht bis vierzehn Prozent zulegen, wie dies zwischen 2000 und 2007 der Fall war. Die künftigen Steigerungsraten werden eher um die sechs Prozent liegen. Allerdings bedeuten sechs Prozent Wirtschaftswachstum, ausgehend vom Stand von 2017, in absoluten Zahlen betrachtet mehr als zwölf Prozent Wachstum gemäß dem Stand von 2006. China wird damit auch künftig der bedeutendste Wachstumstreiber für die Weltwirtschaft sein.

Anlageerfolg in China 2017 über dem Weltaktienindex

Die Fortsetzung des wirtschaftlichen Wachstums in China hat für die Anleger auch im Jahr 2017 zu einem guten Erfolg geführt. Zahlreiche auf China spezialisierte Investmentfonds erreichten im Jahr 2017 Wertzuwachsraten von 30 und mehr Prozent und lagen damit deutlich über dem Weltaktienindex.

Chancen für die Zukunft hängen von der Parteiführung ab

Wenn Xi Jinping den erwarteten Machtzuwachs nach dem Parteikongress weiterhin mit Umsicht und Bedacht nutzt, um die zweifellos vorhandenen Probleme in China zu lösen, kann dies zu einer Fortsetzung der positiven wirtschaftlichen Entwicklung führen und damit auch zu einem weiterhin lohnenden Investment für uns Anleger. Eine wesentliche Baustelle ist zum Beispiel der hohe Schuldenstand und die Ineffizienz der SOEs (State Owned Enterprises = Staatseigene Betriebe). Diese wurden jahrzehntelang auch zur Umsetzung der politisch gewünschten Ziele (z.B. hoher Beschäftigungsstand) genutzt und hierzu von den staatseigenen Banken großzügig und unkritisch mit billigen Krediten versorgt. Die Sanierung dieser Baustelle kann nicht in einem Jahr abgeschlossen werden. Hier gilt es wie bei vielen Transformationsprozessen in China, einen mittel- bis langfristen Plan zu erstellen und diesen mit Geduld und Beharrlichkeit umzusetzen.

Fazit:

Bisher haben sich die Maßnahmen von Xi und der von ihm geführten Partei und Regierung wirtschaftlich positiv ausgewirkt. Bleibt zu wünschen, dass Xi Jinping seine Macht künftig weiterhin in wirtschaftlichen Erfolg umsetzen kann.