Die EZB steckt in der Zwickmühle

Von Hans Heimburger

Eigentlich sollte sich EZB-Chef Mario Draghi entspannt zurücklehnen können. Die Euroland-Konjunktur entwickelt sich besser als dies weithin am Jahresanfang prognostiziert wurde. Die oft kritisierte Geldpolitik der Europäischen Zentralbank trägt offensichtlich Früchte und die Frage nach den Opportunitätskosten kann sowieso niemand seriös beantworten.

Die Inflationsrate bleibt deutlich unter der Zielprojektion der Notenbank

Die Inflationsrate sank im Juni auf 1,3% nach noch 1,4% im Mai. Der kurzfristige Anstieg auf 2% (dies entspricht dem Inflationsziel der EZB)  zu Beginn des Jahres erweist sich als kurzfristiger Ausreißer nach oben und nicht als der Beginn einer nachhaltig inflationären Entwicklung. Maßgeblich für den Rückgang waren die Energiepreise, die im Vormonatsvergleich um 0,8% fielen. Der Rückgang des Rohölpreises um rund 8% wirkt erheblich preisdämpfend.

Die EZB zwischen Baum und Borke

Am Dienstag (26.06.) sprach Mario Draghi in dem kleinen Ort Sintra in der Nähe von Lissabon im Rahmen eines geldpolitischen Forums. Er sagte dabei folgende Sätze:

„Wenn die Erholung anhält, dann wird eine unveränderte Geldpolitik akkommodierender, und die Zentralbank kann die Erholung begleiten, in dem sie die Parameter ihrer Politikinstrumente anpasst – nicht, um die geldpolitische Ausrichtung zu straffen, sondern um sie weitgehend unverändert zu halten“. „Gleichwohl ist ein beträchtlicher Akkommodationsgrad der Geldpolitik weiter erforderlich, damit die Inflation dauerhaft und selbsttragend an Dynamik gewinnt. Um sicher zu gehen, dass die Inflation zu unserem Ziel zurückkehrt, muss die Geldpolitik ausdauernd sein“.

Dieses Statement wurde von den Marktteilnehmern als Ankündigung einer zukünftig etwas strafferen (oder besser formuliert: nicht mehr ganz so ultralockeren) Geldpolitik interpretiert. Im Nachgang stieg die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen von 0,25% auf aktuell 0,46% – nahezu eine Verdoppelung!

Die schwachen Inflationsdaten sprechen eigentlich für eine Fortsetzung des Anleihekaufprogramms der EZB. Und hier steht die Notenbank nun mit dem Rücken an der Wand. Ohne Reduzierung des Kaufprogramms droht sie Mitte 2018 die Obergrenze von 33% für maximal erwerbbare Staatstitel eines Landes zu erreichen.

Vermutlich wird Mario Draghi im September eine schrittweise Reduzierung des Anleihekaufprogramms ab Januar 2018 ankündigen. Dies ändert nach meiner Einschätzung allerdings nichts daran, dass die Zinsen noch sehr lange relativ tief bleiben werden, wobei die Schwankungen an den Rentenmärkten in naher Zukunft zunehmen dürften.