Dollar-Schwäche oder Euro-Stärke?

Von Walter Feil

Seit Jahresbeginn ist der Euro gegenüber dem US Dollar kräftig gestiegen. Aktuell beträgt das Plus mehr als 11 Prozent. Damit wurde die Einschätzung vieler Fachleute -die einen weiter steigenden US Dollar prognostizierten- nach dem Wahlsieg Trumps gehörig verfehlt.

Die Erwartung an das Wahlprogramm „America first“ waren gewaltig aber liefern konnte die US Regierung seitdem nicht. Viele Reformen die Donald Trump mit dem Einzug ins Weiße Haus  versprochen hatte liegen auf Eis und so langsam schwindet auch die Bereitschaft der Republikaner allen Eingaben ihres Präsidenten zu folgen. Alarmierend ist auch der Rückhalt in der amerikanischen Bevölkerung. Mit Zustimmungswerten unter 40 Prozent (Tendenz fallend) ist Trump mit Abstand der unbeliebteste Präsident den Amerika jemals hatte.

Die blaue Linie illustriert die Wertentwicklung des Euro zum US Dollar seit 1.1.2017

 

Dollar-Schwäche

Am 19.07.2017 titelte das Handelsblatt „Trump schwächt den Dollar“ und verweist in dem Artikel auf die schon zum zweiten Mal gescheiterte Gesundheitsreform. Viele Investoren verlieren den Glauben an die Verwirklichung seiner Wirtschaftspläne. Auch andere Gesetzesvorhaben drohen zu scheitern und das obwohl  die Republikaner alle politischen Mehrheiten haben. Die Devisenmärkte sind immer wieder die Seismographen, die am schnellsten auf politische Unsicherheiten reagieren. Und es bleibt spannend was noch alles durch Sonderermittler ans Tageslicht kommt. Auch  ein mögliches Amtsenthebungsverfahren ist noch nicht vom Tisch. Es geht um die Rolle der Russischen Regierung im Wahlkampf.  Trump entlässt halt kurzerhand den FBI Chef der genau in dieser Sache ermittelt. Das Vertrauen in den amerikanischen Präsidenten und mithin auch ein Stück in den Dollar ist erschüttert! Auch das Anziehen der Zins-Zügel seitens der amerikanischen Notenbank FED mit zwei Anhebungen der Leitzinsen um je 0,25% im März und Juni  konnte die Abschwächung des Dollars nicht verhindern. Aber nicht nur zum Euro tendiert der US Dollar sehr schwach, auch gegenüber dem Japanischen Yen büßte der Greenback seit Jahresbeginn 4,5% ein. In Relation zum Kanadischen Dollar beträgt die USD-Abwertung aktuell knapp 7,5%.

Euro-Stärke

Nebst den emotionalen Faktoren der US Politik und den daraus resultierenden Sorgen gibt es einige handfeste ökonomische Gründe, die den Euro in den letzten Wochen stärkten.  Der  nachfolgende Chart illustriert, wie sich die Zinsdifferenz zwischen den 10–jährigen US Staatsanleihen und 10-jährigen Bundesanleihen jüngst verringert hat. Während die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe seit Jahresbeginn deutlich zulegen konnte, von 0,20% am Jahresende 2016 auf aktuell 0,53%, notiert die Rendite 10-jähriger US-Anleihen aktuell mit 2,30% und damit unterhalb ihres Jahresschlussniveaus 2016 von 2,45%.

Hinzu kommt, dass die wirtschaftliche Entwicklung in der Eurozone im bisherigen Jahresverlauf deutlich an Fahrt aufnimmt. Die Schätzungen für das BIP-Wachstum 2017 stiegen von 1%  am Jahresanfang  auf  aktuell 2,2% und liegt damit nur noch knapp hinter dem prognostizierten US Wachstum (ca. 2,5%) zurück. Dies veranlasste die EZB-Vorderen die Märkte auf eine allmähliche Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik vorzubereiten. Hinzu kommen auch in Europa noch politische Argumente:  das Scheitern der rechtsextremen und europafeindlichen Parteien bei den Wahlen in den Niederlanden und Frankreich wird zudem als Zeichen einer neuen politischen Stabilität im Euroraum wahrgenommen. 

Fazit

Die von vielen Analysten in 2017 erwartete Parität zwischen Euro und US Dollar ist in weite Ferne gerückt und aus aktueller Sicht kaum mehr  realistisch. Die gemäß unserer Einschätzung relevanten Gründe legten wir oben dar. Nach der kräftigen Rally des Euro sehen wir die Gemeinschaftswährung für stark überkauft und erwarten in den kommenden Wochen eine technische Gegenbewegung. Als Zielmarke wäre der Bereich 1,13 bis 1,14 zum US Dollar denkbar.