Erholung der Weltwirtschaft im zweiten Halbjahr 2015

Von Hans Heimburger

Die jüngsten Daten, die uns Capital Economics aus London heute zur Verfügung stellte, signalisieren eine Wachstumsbeschleunigung der globalen Konjunktur im zweiten Halbjahr.

Der gewichtete Durchschnitt der Einkaufsmanagerindizes für das produzierende Gewerbe aus Amerika, China, der Euro-Zone und aus Japan ist im Mai auf einen Wert von 51,7 (April 51,5) gestiegen. Dieses Niveau lässt auf eine annualisierte Wachstumsrate für das globale GDP von 3 bis 3,5 Prozent schließen und bedeutet somit eine spürbare Wachstumsbeschleunigung im Vergleich zum ersten Quartal 2015.

Deutlicher Aufschwung der Konjunktur in Amerika

Die wirtschaftliche Entwicklung in den Vereinigten Staaten hat jüngst deutlich enttäuscht. Erste besorgte Stimmen sprechen bereits von einer Konjunkturwende und sehen rezessive Tendenzen in der Zukunft. Wir nahmen diese berechtigten Sorgen zum Anlass und befragten Paul Ashworth, Chief US Economist von Capital Economics. Er erwartet nicht, dass die bescheidenen Konjunkturdaten des ersten Quartals / Beginn des zweiten Quartals im Jahresverlauf fortgeschrieben werden müssen. Zu viele Sonderfaktoren (sehr kalter Winter, Dollaraufwertung, Hafenarbeiterstreik und die Entlassungen in der Frackingindustrie) belasteten den Jahresstart. Dies wird sich so nicht wiederholen und somit ist die Voraussetzung für eine deutliche Verbesserung gegeben. Ashworth bekräftigte uns gegenüber die GDP-Schätzung von Capital Economics für die USA in Höhe von 2,8 Prozent für das Gesamtjahr 2015.

Die Wirtschaft in China wird wieder Fahrt aufnehmen

Die Chinesische Regierung wird unter allen Umständen verhindern, dass sich das Wirtschaftswachstum weiter verlangsamt. Capital Economics erwartet weitere Zinssenkungen der chinesischen Notenbank im Jahresverlauf und eine bevorzugte Kreditvergabe an private Firmen, die eine deutlich höhere Effizienz als staatliche Unternehmen aufweisen. Weiterhin werden gezielte Infrastrukturprojekte in Gang gesetzt, die einen sehr direkten Einfluss auf die Konjunkturdaten entfalten.

Die Euro-Zone und Japan bleiben am Tropf der Notenbanken

Die konjunkturellen Auftriebskräfte in der Euro-Zone und in Japan bleiben ein zartes Pflänzlein und dies wird auch weiterhin die Pflege und die Gießkanne (=extrem lockere Geldpolitik) der EZB und der Bank of Japan benötigen. Eine stärkere Zunahme des Wachstums erwartet CE erst für das kommende Jahr.

Grafik links: der globale Einkaufsmanagerindex für das produzierende Gewerbe (blau) und das globale BIP (schwarz) Grafik rechts: Markit Einakufsmanager Indizes von USA, Euro-Raum, Japan und China.

Grafik links: der globale Einkaufsmanagerindex für das produzierende Gewerbe (blau) und das globale BIP (schwarz)
Grafik rechts:
Markit Einakufsmanager Indizes von USA, Euro-Raum, Japan und China.

Fazit:

Die konjunkturellen Wachstumskräfte nehmen unter der Führung Amerikas im Jahresverlauf wieder Fahrt auf. Europa und Japan bleiben auf die Unterstützung der Geldpolitik ihrer jeweiligen Notenbank angewiesen. Auch die Peoples Bank of China wird der Konjunktur stützend zur Seite stehen (müssen).