Kann die EZB mit den ersten 10 Wochen des QE zufrieden sein?

Von Hans Heimburger

Mario Draghi und seine Mitstreiter im Rat der Europäischen Zentralbank äußerten sich jüngst zufrieden mit den ersten Wochen der praktischen Umsetzung des Anleihekaufprogramms (Quantitative Easing = QE). Aufkeimende Erwartungen, dass die Anleihekäufe früher als September 2016 beendet werden können, teilen wir ausdrücklich nicht.

Die Ankäufe konnten in den zurückliegenden Wochen planmäßig durchgeführt werden. Die angestrebte Gesamtsumme in Höhe von 60 Milliarden Euro pro Monat, verteilt auf Staatsanleihen, ABS-Papiere und Pfandbriefe wurde jeweils erreicht. Um ein Inflationsziel von rund zwei Prozent zu erreichen, wird die Europäische Zentralbank keinesfalls vor September 2016 die Käufe beenden.

Das Balkendiagramm zeigt die wöchentlichen Ankaufsvolumen der EZB aufgeteilt nach Staatsanleihen (blau), ABS-Papiere (schwarz) und Pfandbriefen (grau)

Das Balkendiagramm zeigt die wöchentlichen Ankaufsvolumen der EZB aufgeteilt nach Staatsanleihen (blau), ABS-Papiere (schwarz) und Pfandbriefen (grau)

Einer der Haupteffekte des QE-Programms, auch wenn dies seitens der EZB nicht laut ausgesprochen wird, ist die Schwächung des Euro-Außenwertes. Dieser Wettbewerbsvorteil soll die europäische Exportindustrie beflügeln und somit das Wirtschaftswachstum im Euroraum anschieben. Bereits seit Mitte 2014, als die EZB erste Gedanken zum QE äußerte, begann der Außenwert des Euro zu fallen. Den jüngsten Anstieg des Euro erachten wir zunächst als technische Gegenbewegung und noch keine Trendumkehr.

die blaue Linie illustriert die Kursentwicklung des Euro zum Dollar seit 01.01.2014. Wir erwarten in der nahen Zukunft eine Bandbreite zwischen 1,05 und 1,15.

die blaue Linie illustriert die Kursentwicklung des Euro zum Dollar seit 01.01.2014. Wir erwarten in der nahen Zukunft eine Bandbreite zwischen 1,05 und 1,15.

Ist der jüngste Anstieg der Renditen und des Euro eine Niederlage für die EZB?

Bereits in den vergangen zwei 3ik-Wochenberichten beleuchteten wir den weltweiten Anstieg der Renditen. Einige Kritiker sehen darin eine schallende Ohrfeige für die Europäische Zentralbank und das Anleihekaufprogramm. Wir können dieser Argumentation nicht folgen. Erstens ist der Renditeanstieg eine normale technische Reaktion auf den in unseren Augen übertriebenen Rückgang der Zinsen in den Wochen davor. Zweitens sind die Renditen angestiegen, weil die Maßnahmen der EZB greifen und die Konjunkturentwicklung in Europa an Breite und Substanz gewinnt. Und drittens erachten wir es für sehr hilfreich, dass die Rentenmärkte „ein Eigenleben“ zeigen und nicht nur am Tropf der Notenbanken hängen. Eine gewisse Demut aller Marktteilnehmer (auch der Zentralbanker) vor den Kräften des Marktes scheint uns geboten.

Fazit: Die Rentenmärkte zeigten jüngst, dass es nirgends an den Kapitalmärkten auf ewig eine Einbahnstrasse gibt. Wir erwarten für die kommenden Monate unter durchaus kräftigen Schwankungen einen Renditeanstieg. Allerdings wird das Regime, der im historischen Vergleich tiefen Zinsen, noch lange anhalten. Die Verschuldungssituation der meisten Industrieländer lässt nichts anderes zu.