Sell in May and sail away – wie geht es an den Kapitalmärkten weiter?

Von Hans Heimburger

CIO-View per 30.05.2019

In den vergangenen Jahren ist es bei der Gies & Heimburger GmbH zum festen Bestandteil unserer Entscheidungsfindung und dann letztlich der Anlagestrategie geworden, dass ich in der Funktion als CIO (Chief Investment Officer = Anlagestratege) für unsere Kollegen intern regelmäßig einen CIO-View verfasse. Dabei beleuchte ich die Entwicklung an den Kapitalmärkten aus meiner Sicht. Ich gebe eine Zusammenfassung der umfangreichen Research-Auswertungen, die dann als Diskussionsgrundlage für unsere Entscheidungen dient.

Gerne möchte ich heute die komprimierten Schlussfolgerungen aus dem CIO -View auch Ihnen zur Verfügung stellen.

Im Mai schalteten die Aktienmärkte in den Korrekturmodus

Die alte Börsenweisheit „sell in May and sail away“ hätte in diesem Jahr bei ganz genauer Betrachtung wie folgt lauten müssen: „sell at the end of April….“ aber dann reimt es sich ja nicht mehr.

In der Tat markierten die wichtigsten Aktienmärkte Ende April die diesjährigen / teilweise historischen Topstände.


Seit dem 30.04.2019 korrigierten die dargestellten Aktienmärkte wie folgt:

S&P 500: -5,53%, Euro Stoxx 50: -6,17%, DAX: -4,10%, Nasdaq 100: -7,27%, Shanghai Composite: -5,32%, Nikkei 225: -4,20%.

Wie könnte es nun weiter gehen?

Im Kern sehen wir zwei Hauptursachen für die jüngsten Kursrückgänge. Auf der emotionalen Ebene (es sind immer noch Menschen, die handeln und Kurse bestimmen) ist dies die sich wöchentlich (manchmal täglich) ändernde Nachrichtenlage zum Handelsstreit zwischen Amerika und China. Und hier sahen wir in den vergangenen rund vier Wochen eine deutliche Verschärfung der Auseinandersetzung. Auf der fundamentalen Ebene sind es die Makro-Daten, die eine Verlangsamung des weltweiten Wirtschaftswachstums signalisieren. Diese schwächeren Makro-Daten werden über kurz oder lang auch in den Gewinn- und Verlustrechnungen der Aktiengesellschaften sichtbar werden.

Sollte sich in den kommenden Wochen eine Annäherung der Amerikaner und Chinesen im Handelsstreit andeuten, dann könnte dies die Aktienkurse zumindest kurzfristig unterstützen / beflügeln.

Die Makro-Daten werden sich, gemäß unserer Erwartung, in naher Zukunft nicht signifikant verbessern. Das Risiko liegt eher darin, dass weitere Enttäuschungen kommen könnten. Vor allem die amerikanische Konjunktur stand bis Ende des ersten Quartals 2019 noch nahezu unter Volldampf, so dass die jüngste, recht scharfe Verlangsamung für viele Marktteilnehmer sehr überraschend erscheint. Da auch in den kommenden Quartalen in den USA vermutlich keine erneute Beschleunigung der wirtschaftlichen Aktivitäten zu erwarten ist, werden die Börsenbäume aus fundamentaler Sicht nicht in den Himmel wachsen (eher im Gegenteil).

Eine flexible Anlagepolitik bleibt Trumpf

Bereits im letzten 3ik-Wochenbericht legten wir dar, dass unsere Antwort auf die oben geschilderte Situation eine äußerst flexible Anlagepolitik ist. Wir werden, je nach Situation, immer wieder Absicherungen aufbauen und diese in schwache Kurse – so wie gestern – auch wieder deutlich reduzieren.

Zusätzlich nahmen wir erste vorsichtige Investitionen in Gold und Goldminen vor. Sollten sich die Probleme verschärfen, dann erwarten wir einen Anstieg des Goldpreises und der Goldminenkurse.