Wie entwickeln sich die Zinsen in Amerika?

Von Walter Feil

Mit großem Interesse schauen wir in diesen Tagen auf die Ereignisse in den USA und das nicht nur wegen der verheerenden Wirbelstürmen die in der Karibik, in Texas und nun in Florida große Schäden anrichteten. Diese Naturkatastrophen werden die wirtschaftliche Entwicklung kurzfristig vermutlich etwas bremsen (Unterbrechung der Lieferketten). Mittel- und langfristig möglicherweise mit den notwendigen Wiederaufbaumaßnahmen sogar konjunkturfördernd wirken. Es ist die Zinsentwicklung, die seit geraumer Zeit nicht so recht ins Bild passen will!

Zinsentwicklung und Konjunktur in Amerika

Die amerikanische Wirtschaft wird in 2017 mit einer Jahresrate von 2,5% bis 3% wachsen. Nach einem schwachen ersten Quartal zog die Konjunktur im zweiten Quartal mit 3% Wachstum deutlich an. Die Entwicklung der Renditen für festverzinsliche Wertpapiere spiegelt diesen positiven Wirtschaftsverlauf nicht wider.

Der nachfolgende Chart zeigt, dass sich die Renditen der 10-jährigen US Staatsanleihen seit März 2017 von 2,60% auf knapp über 2% reduzierten. In den vergangenen Tagen sahen wir einen Wiederanstieg bis auf rund 2,20%

Die spannende Frage bleibt: was will uns der Rentenmarkt sagen? Handelt es sich bei dem Renditerückgang seit März um ein Fehlsignal oder erwarten die Akteure am Rentenmarkt in den kommenden Monaten eine Abschwächung der wirtschaftlichen Daten?

 

Die Auswirkungen der Wirbelstürme auf das US Wachstum

Noch ist das ganze Ausmaß der Schäden, die durch die Wirbelstürme Harvey in Texas und Irma in Florida und den auf seiner Bahn liegenden Bundesstaaten entstanden sind, nicht abschätzbar, aber die US Regierung hat vorsorglich Mittel in Höhe von mehr als 100 MRD US Dollar eingeplant. Katrina, der bis dahin verheerendsten Wirbelsturm hatte in 2005 Bremsspuren im Wachstum hinterlassen, weil seinerzeit ein Großteil der Ölraffinerien in der Region zerstört wurden. Durch die anschließenden Wiederaufbau- und Reparaturmaßnahmen konnte der Abschwung in 2006 wieder aufgefangen wurden. Dies wird bei Irma und Harvey ähnlich sein, so dass ein negativer anhaltender Einfluss auf das Wachstum eher nicht zu erwarten sein dürfte. Der Wiederaufbau der zum Teil völlig zerstörten Infrastruktur (Straßen und das Stromnetz) aber auch im privaten Sektor (Häuser und Autos) werden für umfangreiche Investitionen sorgen.

 

Die Fed setzt den Zinserhöhungspfad fort

Im März und Juni 2017 hat die Fed durch zwei Anhebungen um jeweils 0,25 % den Leitzins erneut erhöht und wird bei unveränderten Rahmendaten (u.a. solide Entwicklung am Arbeitsmarkt) noch eine weitere folgen lassen. Dafür müsste sich aber die aktuell sehr niedrige Inflation nach oben bewegen. Laut Zinsfahrplan der Fed sind dann aber in 2018 weitere Zinsanhebungen geplant. Darauf sollten mittelfristig US Anleihen mit einem Zinsanstieg in allen Laufzeitbereichen reagieren.

Fazit
Die Entwicklung des US Wachstums sieht robust aus, die FED wird ihren Fahrplan der weiteren schrittweisen Anhebung der Leitzinsen in nächster Zeit fortsetzen und somit sollten die Zinsen am US Rentenmarkt bald wieder anziehen.