Wird die zweite Corona-Welle die Aktienmärkte stärker in Mitleidenschaft ziehen?

Von Hans Heimburger

Mit dem Beginn der kälteren Jahreszeit in Europa sind die Corona-Neuinfektionen stark angestiegen. Am heutigen Donnerstag ist ein neuer bundesweiter Höchstwert von 11.287 neuen Corona-Fällen binnen 24 Stunden von den Gesundheitsämtern im Lande an das Robert-Koch-Institut gemeldet worden.

Droht ein zweiter landesweiter Lockdown?

Der Landkreis Berchtesgadener Land entwickelte sich zu einem C-19 Hotspot. Der Inzidenzwert lag am Montag bei 272, so dass  der Landrat  am Dienstag die Notbremse zog und strikte Ausgangsbeschränkungen in Kraft setzte. Droht dies über kurz oder lang wieder in der gesamten Republik? Natürlich kann diese Frage nicht mit absoluter Gewissheit mit ja oder nein beantwortet werden. Allerdings wird die Politik alles daran setzen, dies zu vermeiden. Es wird weiterhin versucht werden, die Infektionsherde zunächst lokal einzudämmen und die Bevölkerung immer wieder an die Einhaltung der einschlägigen Maßnahmen (AHA-Regel: Abstand-Hygiene-Alltagsmaske) zu erinnern.

Bei einem ausreichend disziplinierten Verhalten in der Bevölkerung, sollte es gelingen den steilen Anstieg der Infektionen zu brechen und damit einen zweiten Lockdown zu vermeiden.

Kurzfristige Verunsicherung an den Aktienmärkten – aber kein zweiter Kurseinbruch

Börsen, die von Menschen bestimmt werden, haben immer etwas mit der Psychologie der Anleger zu tun. Somit drücken natürlich die jüngsten C-19 Entwicklungen in Europa auf die Stimmung der Investoren. Zu frisch sind die Erinnerungen an den „Express-Crash“, wie wir ihn im März erlebten.

Allerdings sind die Verhältnisse aktuell in einigen wesentlichen Punkten nicht mit der Situation im März vergleichbar.

  1. China ist weitgehend „coronafrei“. Die dortige Wirtschaft hat das Niveau von vor der Pandemie wieder erreicht, wenn nicht gar überschritten. Somit ist ein für die Europäer wichtiger Markt komplett intakt.
  2. Amerikas Wirtschaft zeigt, trotz hoher Coronazahlen, eine enorme Robustheit. Somit präsentiert die führende Weltwirtschaftsmacht keine „Ausfallerscheinungen“ wie im März.
  3. Die Unternehmen haben sich mittlerweile gut auf die durch C-19 veränderte Situation eingestellt (Home Office Arbeitsplätze sind eingerichtet und funktionieren, Lieferketten wurden überarbeitet, Produktionsabläufe wurden angepasst, Hygienekonzepte sind etabliert…).

 

Ein Vergleich mit der Grippepandemie 1918/1919 (Spanische Grippe)

Die nachfolgenden Grafiken illustrieren die Verlaufsmuster der Todesfallzahlen für Frankreich, Deutschland und die Schweiz während der Pandemie 1918/1919 im Vergleich zu heute. Vergleiche sind bisweilen schwierig und sicherlich hat jeder historische Zeitabschnitt seine Eigenheiten. Dennoch fällt auf, dass aus dem Vergleich eine vorläufige Spitze für Ende Oktober/Anfang November erwartet werden kann.

Fazit:

Die Verunsicherung, gerade an den europäischen Aktienmärkten, der vergangenen Tage ist auf Grund der stark steigenden Neuinfektionen nachvollziebar. Dennoch erwarten wir keine übermäßigen Korrekturen der Aktienkurse und sehen an schwachen Handelstagen durchaus Kaufgelegenheiten.