Indiens Weg an die Weltspitze

Von Hans Heimburger

Noch blicken beim Wachstum alle auf China und die USA. Doch die Verhältnisse ändern sich: Indien wird sich in den nächsten Jahren an den Vereinigten Staaten vorbei schieben.

Brexit-Geschacher, ein brodelnder Handelskonflikt, Schlüsselindustrien im Umbruch – ein ganzer Korb an Risiken rüttelt gerade an der Globalkonjunktur. Die Furcht vor einer Rezession ist groß, und mindestens eine merkliche Abkühlung der Konjunktur scheint uns bevorzustehen. Wie es nun auch kommt, am Ende wird sich die Weltwirtschaft wieder aufrappeln und zum Wachstum zurückkehren – höchstwahrscheinlich aber nicht mit den gleichen Treibern. Die Finanznachrichtenagentur Bloomberg hat auf Grundlage von Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) ermittelt, welche Länder in fünf Jahren den größten Teil zum Wachstum beitragen werden.

Die große Konstante dabei bleibt China: Im laufenden Jahr dürfte China 32,7% zum Wachstum des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) beitragen. Das ist fast so viel wie die vier nächstwichtigsten Treiber – die USA, Indien, Indonesien und Japan – zusammengenommen. Im Jahr 2024, in fünf Jahren, dürften es den Projektionen zufolge immer noch 28,3% sein.

Indien hängt die USA ab

Spannender wird es auf dem zweiten Platz. Hier rangieren für 2019 die USA, deren Wirtschaftskraft 13,8% zum weltweiten BIP-Anstieg beitragen dürften – nur 0,3% vor der Nummer Drei, Indien.

In nur fünf Jahren wird sich diese Reihenfolge jedoch umkehren, und zwar deutlich. 2024 nämlich werde Indien 15,5% zum weltweiten Wirtschaftswachstum beitragen, während die US-Volkswirtschaft nur auf 9,2% kommen werde, so die Prognosen. Anders gesagt: Der Subkontinent wird in naher Zukunft deutlich wichtiger für die Weltwirtschaft sein als die derzeit größte Volkswirtschaft auf dem Globus.

Der Trend verwundert nicht, betrachtet man die Wachstumsraten beider Länder: Daten der Weltbank zufolge wuchs die US-Wirtschaft in den vergangenen zehn Jahren zwischen 1,5 und 2,5%, mit Ausnahme des Krisenjahres 2009, als das BIP um 2,5% schrumpfte. Indien hingegen wuchs im gleichen Zeitraum beständig, mit Raten von rund 3 hin zu fast 8,5%.

Massiver Konsum und großzügige Steuergeschenke

Daneben spielen noch andere Faktoren eine Rolle, der wachsende Konsum auf dem bevölkerungsreichen Subkontinent beispielsweise. Das Weltwirtschaftsforum prognostizierte im Frühjahr, dass sich die Konsumausgaben in Indien, die 60% des indischen BIP ausmachen, von derzeit 1,5 Billionen US-Dollar bis 2030 auf satte 6,0 Billionen Dollar vervierfachen werden. Damit würde Indien zum weltweit drittgrößten Verbrauchermarkt nach China und den USA aufsteigen.

Massives Wachstum ist auch das erklärte Ziel der indischen Regierung. So verabschiedete die Regierung unter Premier Narendra Modi erst kürzlich eine Steuerreform gewaltigen Ausmaßes. Rückwirkend zum 1. April 2019 fällt der Basis-Steuersatz für Unternehmen von 30 auf 22 Prozent. Effektiv sinken die Steuern, inklusive Branchenbesonderheiten und diverser Zuschläge, damit um 10 Prozentpunkte auf 25%.

Die Regierung entlastet die heimische Wirtschaft damit jährlich um 1,5 Billionen Rupien (etwa 21,2 Milliarden US-Dollar) – Geld, welches langfristig die Investitionsbereitschaft indischer Unternehmen stärkt. Und gerade Investitionen sind dem Experten zufolge das „Erfolgsgeheimnis des indischen Wirtschaftswunders“.

 

Fazit: Alles deutet darauf hin, dass die Prognose der IWF sich bewahrheiten wird und Indien die USA als zweitwichtigsten Wachstumstreiber für die Weltkonjunktur ablösen wird.

 

 

Indiens Weg an die Weltspitze

Von Hans Heimburger

Noch blicken beim Wachstum alle auf China und die USA. Doch die Verhältnisse ändern sich: Indien wird sich in den nächsten Jahren an den Vereinigten Staaten vorbei schieben.

Brexit-Geschacher, ein brodelnder Handelskonflikt, Schlüsselindustrien im Umbruch – ein ganzer Korb an Risiken rüttelt gerade an der Globalkonjunktur. Die Furcht vor einer Rezession ist groß, und mindestens eine merkliche Abkühlung der Konjunktur scheint uns bevorzustehen. Wie es nun auch kommt, am Ende wird sich die Weltwirtschaft wieder aufrappeln und zum Wachstum zurückkehren – höchstwahrscheinlich aber nicht mit den gleichen Treibern. Die Finanznachrichtenagentur Bloomberg hat auf Grundlage von Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) ermittelt, welche Länder in fünf Jahren den größten Teil zum Wachstum beitragen werden.

Die große Konstante dabei bleibt China: Im laufenden Jahr dürfte China 32,7% zum Wachstum des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) beitragen. Das ist fast so viel wie die vier nächstwichtigsten Treiber – die USA, Indien, Indonesien und Japan – zusammengenommen. Im Jahr 2024, in fünf Jahren, dürften es den Projektionen zufolge immer noch 28,3% sein.

Indien hängt die USA ab

Spannender wird es auf dem zweiten Platz. Hier rangieren für 2019 die USA, deren Wirtschaftskraft 13,8% zum weltweiten BIP-Anstieg beitragen dürften – nur 0,3% vor der Nummer Drei, Indien.

In nur fünf Jahren wird sich diese Reihenfolge jedoch umkehren, und zwar deutlich. 2024 nämlich werde Indien 15,5% zum weltweiten Wirtschaftswachstum beitragen, während die US-Volkswirtschaft nur auf 9,2% kommen werde, so die Prognosen. Anders gesagt: Der Subkontinent wird in naher Zukunft deutlich wichtiger für die Weltwirtschaft sein als die derzeit größte Volkswirtschaft auf dem Globus.

Der Trend verwundert nicht, betrachtet man die Wachstumsraten beider Länder: Daten der Weltbank zufolge wuchs die US-Wirtschaft in den vergangenen zehn Jahren zwischen 1,5 und 2,5%, mit Ausnahme des Krisenjahres 2009, als das BIP um 2,5% schrumpfte. Indien hingegen wuchs im gleichen Zeitraum beständig, mit Raten von rund 3 hin zu fast 8,5%.

Massiver Konsum und großzügige Steuergeschenke

Daneben spielen noch andere Faktoren eine Rolle, der wachsende Konsum auf dem bevölkerungsreichen Subkontinent beispielsweise. Das Weltwirtschaftsforum prognostizierte im Frühjahr, dass sich die Konsumausgaben in Indien, die 60% des indischen BIP ausmachen, von derzeit 1,5 Billionen US-Dollar bis 2030 auf satte 6,0 Billionen Dollar vervierfachen werden. Damit würde Indien zum weltweit drittgrößten Verbrauchermarkt nach China und den USA aufsteigen.

Massives Wachstum ist auch das erklärte Ziel der indischen Regierung. So verabschiedete die Regierung unter Premier Narendra Modi erst kürzlich eine Steuerreform gewaltigen Ausmaßes. Rückwirkend zum 1. April 2019 fällt der Basis-Steuersatz für Unternehmen von 30 auf 22 Prozent. Effektiv sinken die Steuern, inklusive Branchenbesonderheiten und diverser Zuschläge, damit um 10 Prozentpunkte auf 25%.

Die Regierung entlastet die heimische Wirtschaft damit jährlich um 1,5 Billionen Rupien (etwa 21,2 Milliarden US-Dollar) – Geld, welches langfristig die Investitionsbereitschaft indischer Unternehmen stärkt. Und gerade Investitionen sind dem Experten zufolge das „Erfolgsgeheimnis des indischen Wirtschaftswunders“.

 

Fazit: Alles deutet darauf hin, dass die Prognose der IWF sich bewahrheiten wird und Indien die USA als zweitwichtigsten Wachstumstreiber für die Weltkonjunktur ablösen wird.