Neues globales Unternehmenssteuerabkommen im Anflug

Von Peter Görg

Änderung des Status Quo der Weltbesteuerung

Die Frage nach einem baldigen internationalen Steuerabkommen beschäftigt die Staatengemeinschaft schon seit langem. Allerdings blockierten die USA unter der Regierung von Präsident Donald Trump jegliche Vorstöße in diese Richtung.

Zahlreiche Staaten versuchten einen möglichst globalen Ansatz für die Besteuerung von Konzernen wie Amazon, Google und viele andere zu finden und für die Zukunft die permanenten Steuerschlupflöcher zu vermeiden.

Nach dem Machtwechsel im Weißen Haus hatte sich die neue US Regierung unter Joe Biden
bereits positiv zu einem globalen Steuerabkommen geäußert.

G7 Treffen in England

Beim letzten G7 Treffen Anfang Juni 2021 haben sich die Finanzminister der großen Industrieländer darauf geeinigt , eine globale Mindeststeuer für multinational operierende Großkonzerne einzuführen.
In der entsprechenden Runde verpflichteten sich die Vertreter der USA, Japan, Deutschland,
Frankreich, Großbritannien, Italien und Kanada dafür zu sorgen, dass Unternehmen wie z.B. Google, Facebook und Apple künftig eine Steuer von mindesten 15% zahlen, unabhängig davon in welchem Land sie Ihren Hauptsitz haben, bzw. deren Töchterfirmen domiziliert sind.

Steuergerechtigkeit

Es waren aber keineswegs nicht nur die großen Technokonzerne , die mit großangelegten, steueroptimierten Strategien gearbeitet haben. Es sind zahlreiche Unternehmen aus den verschiedensten Branchen (Finanzen, Biotech) weltweit auf der Suche nach Steueroasen und Steuermodellen um Besteuerung zu optimieren oder zu vermeiden.
Von der OECD erhobene Daten zeigen, das insbesondere die multinationalen US Konzerne
insgesamt einen großen Teil Ihrer Gewinne in Steueroasen verbuchen.

Das geplante Abkommen ist sicherlich ein gute Nachricht für die Steuergerechtigkeit und
in der Form ein beispielloser Schritt der Staatengemeinschaft, aber es sind noch viele Details in
den nun anstehenden langwierigen Verhandlungen zu klären.
Bis zur tatsächlichen Ratifizierung und Umsetzung dieses Vorhabens wird es sicher noch einige Zeit dauern, letztlich müssen ja auch alle Vorlagen die nationalen Gesetzgebungen passieren.

Bedeutung für Aktien und Kapitalmärkte

Ein weiterer, nicht zu unterschätzende Aspekt einer solchen Reform sind die Auswirkungen auf die Kapital- und Aktienmärkte.
Neben anderen finanzpolitischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte , z.B. die Zinsentwicklung
Gen Null und darunter, sind die Unternehmenssteuersätze in den großen Volkswirtschaften seit Anfang der 1980er Jahre langfristig gesunken und haben damit den Aktienmärkten wahrscheinlich einen zusätzlichen erheblichen Auftrieb gegeben.

Im Umkehrschluss könnten die potentiellen Auswirkungen des globalen Unternehmenssteuerabkommen , in Folge Steuererhöhungen, neben anderen Faktoren , für Gegenwind an den Börsen sorgen, wenn insbesondere die Big Tech Unternehmen, auch steuerbedingt, ihre Gewinne und damit auch die Outperformance der letzten Dekade reduzieren müssen. Sollte das makroökonomische Umfeld , wofür einiges spricht, in naher Zukunft wieder mehr Value denn Growth begünstigen, wäre dies ein weiteres Zeichen für Veränderungen an den Märkten.

Fazit

Bei einer Portfoliobetrachtung gilt es stets viele Aspekte zu betrachten und zu beurteilen, um zu einem guten Ergebnis zu kommen. Haben Sie bei der Analyse Ihres Portfolios Fragen, sprechen Sie uns gerne an.