Pleitewelle oder Investitionsboom?

Von Hans Heimburger

Bei der Analyse der Auswirkungen von COVID-19 auf die Unternehmensbilanzen wird die stärkste Aufmerksamkeit auf den Anstieg der Verschuldung gelegt. Dabei wird jedoch oft die Tatsache ignoriert, dass Nicht-Finanzunternehmen in den entwickelten Ländern  eine hohe Summe überschüssiger liquider Mittel im Wert von 1,6 Billionen US Dollar (4% des BIP) angehäuft haben, so dass ihre Bilanzen nicht so prekär sind, wie es auf den ersten Blick erscheint. Unternehmen könnten uns überraschen, indem sie ihre Liquidität abbauen, um die Investitionen in den kommenden Jahren noch stärker zu steigern, als dies allgemein erwartet wird.

Sind hohe Unternehmensschulden eine Gefahr für das Wirtschaftswachstum?

Im Verlauf der C-19 Pandemie wurde, mit einem Verweis auf die steigende Unternehmensverschuldung, die Gefahr einer bevorstehenden Pleitewelle heraufbeschworen, die den Aufschwung zunichte machen könnte. Die Verschuldung von Unternehmen außerhalb des Finanzsektors in den entwickelten Ländern stieg in den ersten drei Quartalen 2020 von 42 Billionen Dollar auf über 44 Billionen Dollar an.

Diese Argumentation übersieht jedoch zwei wesentliche Punkte. Erstens: Während die Einnahmen bei einem Großteil der Unternehmen im letzten Jahr einbrachen, sanken auch die Kosten, so dass die Gewinne – mit denen die Schulden bedient werden können – relativ stabil blieben.

Die Regierungen haben verhindert, dass die Gewinne, zumindest in der Summe, nicht annähernd so weit fielen, wie sie es angesichts der C-19 Auswirkungen auf die Wirtschaft getan hätten.
In unterschiedlichem Ausmaß in den verschiedenen Ländern hat eine Mischung aus subventionierten Lohnkosten, Steuererleichterungen, Hypothekenvergünstigungen, Mietverzicht und vorübergehende Entlassungen die Kosten deutlich gesenkt. So konnte ein Teil der Einbrüche bei den Betriebseinnahmen kompensiert werden. Infolgedessen sind, abgesehen von Frankreich, die Verschuldungsquoten
vergleichsweise wenig gestiegen. In Australien und Norwegen, wo die Unternehmensgewinne stiegen, sanken die Schuldenquoten sogar.

Zweitens: haben die Unternehmen viel Liquidität angehäuft, so dass ihre Nettoverschuldungspositionen sogar besser aussehen. Die Investitionen wurden stark zurückgefahren und viele Unternehmen nahmen Fremdkapital als Vorsichtsmaßnahme auf, um für alle Fälle (der Pandemieentwicklung) gewappnet zu sein.

Fazit:

In den von Restriktionen zur Pandemiebekämpfung besonders hart betroffenen Branchen wie Tourismus, Flugverkehr, Eventbranche, stationärer Einzelhandel u.a., ist ein Anstieg der Unternehmensinsolvenzen durchaus zu erwarten. Andererseits haben sich viele Unternehmen sehr gut an die Krise angepasst und die Liquidität ausgeweitet, so dass erhebliche Investitionsmittel für eine „Post-Corona-Zeit“ zur Verfügung stehen.

 

 

Pleitewelle oder Investitionsboom?

Von Hans Heimburger

Bei der Analyse der Auswirkungen von COVID-19 auf die Unternehmensbilanzen wird die stärkste Aufmerksamkeit auf den Anstieg der Verschuldung gelegt. Dabei wird jedoch oft die Tatsache ignoriert, dass Nicht-Finanzunternehmen in den entwickelten Ländern  eine hohe Summe überschüssiger liquider Mittel im Wert von 1,6 Billionen US Dollar (4% des BIP) angehäuft haben, so dass ihre Bilanzen nicht so prekär sind, wie es auf den ersten Blick erscheint. Unternehmen könnten uns überraschen, indem sie ihre Liquidität abbauen, um die Investitionen in den kommenden Jahren noch stärker zu steigern, als dies allgemein erwartet wird.

Sind hohe Unternehmensschulden eine Gefahr für das Wirtschaftswachstum?

Im Verlauf der C-19 Pandemie wurde, mit einem Verweis auf die steigende Unternehmensverschuldung, die Gefahr einer bevorstehenden Pleitewelle heraufbeschworen, die den Aufschwung zunichte machen könnte. Die Verschuldung von Unternehmen außerhalb des Finanzsektors in den entwickelten Ländern stieg in den ersten drei Quartalen 2020 von 42 Billionen Dollar auf über 44 Billionen Dollar an.

Diese Argumentation übersieht jedoch zwei wesentliche Punkte. Erstens: Während die Einnahmen bei einem Großteil der Unternehmen im letzten Jahr einbrachen, sanken auch die Kosten, so dass die Gewinne – mit denen die Schulden bedient werden können – relativ stabil blieben.

Die Regierungen haben verhindert, dass die Gewinne, zumindest in der Summe, nicht annähernd so weit fielen, wie sie es angesichts der C-19 Auswirkungen auf die Wirtschaft getan hätten.
In unterschiedlichem Ausmaß in den verschiedenen Ländern hat eine Mischung aus subventionierten Lohnkosten, Steuererleichterungen, Hypothekenvergünstigungen, Mietverzicht und vorübergehende Entlassungen die Kosten deutlich gesenkt. So konnte ein Teil der Einbrüche bei den Betriebseinnahmen kompensiert werden. Infolgedessen sind, abgesehen von Frankreich, die Verschuldungsquoten
vergleichsweise wenig gestiegen. In Australien und Norwegen, wo die Unternehmensgewinne stiegen, sanken die Schuldenquoten sogar.

Zweitens: haben die Unternehmen viel Liquidität angehäuft, so dass ihre Nettoverschuldungspositionen sogar besser aussehen. Die Investitionen wurden stark zurückgefahren und viele Unternehmen nahmen Fremdkapital als Vorsichtsmaßnahme auf, um für alle Fälle (der Pandemieentwicklung) gewappnet zu sein.

Fazit:

In den von Restriktionen zur Pandemiebekämpfung besonders hart betroffenen Branchen wie Tourismus, Flugverkehr, Eventbranche, stationärer Einzelhandel u.a., ist ein Anstieg der Unternehmensinsolvenzen durchaus zu erwarten. Andererseits haben sich viele Unternehmen sehr gut an die Krise angepasst und die Liquidität ausgeweitet, so dass erhebliche Investitionsmittel für eine „Post-Corona-Zeit“ zur Verfügung stehen.