Willkommen in der schönen neuen Welt? – Brave New World frei nach Aldous Huxley

Von Walter Feil

Diese Tage bekamen wir überragend gute Zahlen von den Protagonisten der schönen neuen (Geschäfts-) Welt herein.

Amazon, Alphabet und Microsoft mit überragenden Geschäftszahlen

Die Unternehmen Amazon, Alphabet (Google) und Microsoft schicken sich immer mehr an, mehr als nur weltweite Marktbeherrschung zu demonstrieren. Die Gewinne, das Eigenkapital und die Marktbewertungen dieser Firmen nehmen in Vergleich zu den etablierten Firmen aus den „alten“ Wirtschaftsbereichen mittlerweile schon erstaunliche Ausmaße an.

Die Unternehmenskassen sind prall gefüllt

So wäre es ihnen ein leichtes mit ihrer prall gefüllten „Kriegskasse“ Unternehmen aus den alten Wirtschaftsbereichen aufzukaufen, zum einen um von deren Know how zu profitieren, zum anderen um sich unliebsame Konkurrenz vom Leib zu halten.

Konkurrenz wird scheinbar mühelos zur Seite gedrückt

Oftmals brauchen sie das aber noch nicht einmal. Die Verbraucher helfen scheinbar gerne mit, den alten Wirtschaftsbereichen den Dolchstoß zu versetzen, was wir an Beispielen von Toys R Us oder Mattel sehen können. Ersterer hat Insolvenz angemeldet und der Zweite leidet arg unter Umsatzrückgängen im Tagesgeschäft. Schuld ist in beiden Fällen die massive Onlinekonkurrenz.

 

Unternehmen der der alten Wirtschaftszweige leiden unter den neuen Mitbewerbern

Das gleiche haben wir in Deutschland in den letzten Jahren auch feststellen müssen, Handelshäuser wie Karstadt, Hertie oder Kaufhof mussten mit der Zeit gehen – oder sie gingen mit der Zeit.
Ähnliches erlebte der Handyhersteller Nokia, der über viele Jahre Weltmarktführer war – bis Apple mit seinem Smartphone heraus kam. Heute läuft Nokia unter ferner liefen, derweil Apple extrem gut mit Eigenkapital ausgestattet ist. Diese Unternehmen aus der schönen neuen Welt finanzieren sich in der Regel selber, Banken für Kredite brauchen diese Unternehmen schon lange nicht mehr.

Zukunftssicherheit wichtiger denn langjährige Firmenhistorie

Es hilft also einem Wirtschaftsunternehmen und auch uns als Vermögensverwalter nicht, wenn zur Beurteilung eines Unternehmens geschaut wird welch langjährige Historie ein Unternehmen aufzuweisen hat, vielmehr ist es eminent wichtig, zu beurteilen wie zukunftssicher ein Unternehmen aufgestellt ist. Wie wandlungsfähig es ist, um sich neuen Begebenheiten oder Konkurrenten, flexibel, ideenreich und am Ende auch erfolgreich zu stellen.

TESLA ist kein Selbstläufer

Dass die Unternehmen der Brave New World keine Selbstläufer sind, konnten wir heute am Beispiel von den hier schon öfter zitierten TESLA sehen. Die zu hohen Erwartungen der Anleger und Konsumenten, gepaart mit zu ehrgeizig vorgetragenen Zielen von Elon Musk, wurden an der Börse abgestraft. Nachdem bekannt wurde, dass die Herstellung des massentauglichen Model 3 des Elektrofahrzeugherstellers, mit Sand im Getriebe zu kämpfen hat, sackte der Kurs gestern und heute empfindlich ab. Statt der geplanten 5.000 Fahrzeuge pro Woche, verließen letzten Monat gerade einmal 260 Fahrzeuge des neuen Modells die Werkhallen. Eine beinahe Katastrophe bei den massig vorliegenden Vorbestellungen.
Unterm Strich fiel im letzten Quartal bis Ende September ein Verlust in Höhe von 619 Mio. US Dollar an. Der höchste Fehlbetrag, den TESLA den Aktionären bisher in einem Quartal zugemutet hatte.
Dennoch weist die enorme Nachfrage nach den Rohstoffen, insbesondere Lithium, die für die Elektromobilität von wichtigster Bedeutung sind, darauf hin, dass der Elektromobilität die Zukunft gehören wird. Ob es TESLA sein wird die zukünftig die Nase vorn haben werden, oder ob es die etablierten Fahrzeughersteller sein werden, die noch rechtzeitig die Kurve bekommen, bleibt abzuwarten.